Urlaub für pflegende Angehörige: So nutzen Sie den Jahresbetrag von 3.539 €

Lächelnder Senior mit Brille und gelbem Schal hält eine Tasse mit Glückszeit-Logo
In diesem Beitrag
  1. Was der Jahresbetrag abdeckt
  2. Voraussetzungen
  3. Was mit dem Pflegegeld passiert
  4. Wer einspringen darf
  5. So bekommen Sie das Geld
  6. Was sich 2027 ändern soll
  7. So helfen wir
  8. Häufige Fragen
  9. Quellen

Wer einen Angehörigen zu Hause pflegt, braucht Pausen: für einen Urlaub, einen eigenen Arzttermin oder einfach einen freien Nachmittag. Dafür gibt es seit dem 1. Juli 2025 den Gemeinsamen Jahresbetrag für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege: bis zu 3.539 € im Kalenderjahr, ab Pflegegrad 2.

Nach dem Kabinettsentwurf der Pflegereform soll der Jahresbetrag ab 2027 wegfallen. Wer eine Auszeit plant, nutzt ihn deshalb am besten noch in diesem Jahr.

Was der Jahresbetrag abdeckt

Aus dem Jahresbetrag bezahlen Sie zwei Leistungen:

  • Verhinderungspflege: Eine andere Person oder ein Pflegedienst übernimmt die Pflege zu Hause, wenn Sie verhindert sind, für bis zu acht Wochen im Jahr.
  • Kurzzeitpflege: Ihr Angehöriger wohnt vorübergehend in einer Pflegeeinrichtung, etwa nach einem Krankenhausaufenthalt, ebenfalls für bis zu acht Wochen im Jahr.

Beides kommt aus einem Topf. Was Sie für die Kurzzeitpflege ausgeben, steht für die Verhinderungspflege nicht mehr zur Verfügung und umgekehrt.

Voraussetzungen

  • Die pflegebedürftige Person hat mindestens Pflegegrad 2 und wird zu Hause gepflegt.
  • Eine Vorpflegezeit gibt es seit Juli 2025 nicht mehr. Der Anspruch besteht ab der Einstufung.
  • Den Grund der Verhinderung geben Sie im Antrag an. Urlaub, Krankheit, eigene Termine oder Erholung reichen, Nachweise wie Reisebuchungen brauchen Sie nicht.

Was mit dem Pflegegeld passiert

Entscheidend ist, wie lange Sie als Pflegeperson verhindert sind, nicht wie lange der Einsatz dauert:

  • Weniger als acht Stunden am Tag: Das Pflegegeld wird nicht gekürzt. Vom Jahresbetrag gehen nur die tatsächlichen Kosten ab. Das passt für regelmäßige Auszeiten, etwa einen festen Nachmittag in der Woche.
  • Acht Stunden und mehr: Für bis zu acht Wochen im Jahr wird die Hälfte des Pflegegelds weitergezahlt. Am ersten und am letzten Tag der Verhinderung gibt es das volle Pflegegeld.

Wer einspringen darf

Sie entscheiden, wer die Pflege übernimmt. Die Pflegekasse erstattet aber unterschiedlich viel:

  • Pflegedienst: Kosten bis zur Höhe des Jahresbetrags. Ein zugelassener Dienst rechnet direkt mit der Pflegekasse ab.
  • Nachbarn, Freunde, entferntere Verwandte: ebenfalls bis zur Höhe des Jahresbetrags, gegen eine einfache Aufstellung der vereinbarten Kosten.
  • Nahe Angehörige und Mitbewohner: Springen Verwandte oder Verschwägerte bis zum zweiten Grad (etwa Kinder, Enkel, Geschwister, Schwiegerkinder) oder Personen aus demselben Haushalt ein und tun sie das nicht beruflich, erstattet die Kasse in der Regel höchstens das Pflegegeld für zwei Monate: 694 € bei Pflegegrad 2, 1.198 € bei Pflegegrad 3, 1.600 € bei Pflegegrad 4 und 1.980 € bei Pflegegrad 5. Dazu kommen nachgewiesene Kosten wie Fahrtkosten oder Verdienstausfall, insgesamt bis zum Jahresbetrag.

Wer regelmäßig Unterstützung im Alltag braucht, kann zusätzlich den Entlastungsbetrag von 131 € im Monat nutzen. Er wird nicht auf den Jahresbetrag angerechnet.

So bekommen Sie das Geld

Für die Verhinderungspflege brauchen Sie keinen Antrag vorab. Die Erstattung beantragen Sie danach bei der Pflegekasse, viele Kassen haben dafür ein Formular. Abgefragt werden Zeitraum, Grund, wer eingesprungen ist und welche Kosten entstanden sind.

  • Mit Pflegedienst: Sie unterschreiben eine Abtretungserklärung, und der Dienst rechnet direkt mit der Kasse ab. Sie strecken nichts vor.
  • Mit Privatpersonen: Sie reichen die Aufstellung der Kosten ein und bekommen das Geld erstattet.

Seit 2026 gilt dafür eine Frist: Die Erstattung muss bis zum Ende des Jahres beantragt sein, das auf die Verhinderungspflege folgt. Für eine Verhinderungspflege im November 2026 also bis zum 31. Dezember 2027.

Was sich 2027 ändern soll

Nach dem Kabinettsentwurf der Pflegereform soll der Gemeinsame Jahresbetrag ab 2027 wegfallen. Für Kurzzeitpflege und Hilfe in pflegerischen Akutsituationen soll es dann ein Überbrückungsbudget von bis zu 2.285 € im Jahr geben; die Verhinderungspflege soll über die anderen neuen Budgets laufen. Beschlossen ist das noch nicht, bis dahin gilt, was hier steht. Mehr dazu im Beitrag Pflegereform 2027: Was sich für die Pflege zu Hause ändern soll.

So helfen wir

Wir übernehmen Verhinderungspflege zu Hause, stundenweise oder tageweise, und rechnen direkt mit der Pflegekasse ab. Vorher lernen sich Ihr Angehöriger und die Pflegekraft kennen. Wie das abläuft, steht auf der Seite Verhinderungspflege.

Häufige Fragen

Kann ich Verhinderungspflege auch stundenweise nutzen?

Ja. Sind Sie an einem Tag weniger als acht Stunden verhindert, bleibt das Pflegegeld ungekürzt, und vom Jahresbetrag gehen nur die Kosten des Einsatzes ab.

Verfällt nicht genutztes Geld?

Ja, am Ende des Kalenderjahres. Ins Folgejahr übertragen lässt sich der Jahresbetrag nicht.

Was gilt, wenn mein Angehöriger mit ins Ausland reist?

Dann ruhen die Leistungen der Pflegeversicherung grundsätzlich. Das Pflegegeld wird bei einem vorübergehenden Aufenthalt bis zu sechs Wochen im Kalenderjahr weitergezahlt (§ 34 Abs. 1 SGB XI), die Verhinderungspflege nennt das Gesetz dabei nicht. Klären Sie die Reise vorher mit der Pflegekasse.

Quellen

David Geiger

Über den Autor

David Geiger

David Geiger hat Glückszeit gegründet und führt den Pflegedienst als Geschäftsführer. Er ist gelernter Altenpfleger, Pflegedienstleiter und Fachtherapeut Wunde, hat über zwölf Jahre Erfahrung in der Pflege und ein Studium im Pflegemanagement.

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Was hilft uns beim ersten Gespräch? (falls zur Hand)

  • Besteht bereits ein Pflegegrad, und wenn ja, welcher?
  • Bei welcher Kranken- und Pflegekasse ist die Person versichert?
  • Liegt eine ärztliche Verordnung vor, etwa für Medikamente, Verbände oder Kompressionsstrümpfe?
  • Worum geht es konkret, und zu welcher Tageszeit wird Hilfe gebraucht?

Sie brauchen nichts vorzubereiten. Wenn Sie noch unsicher sind, ob ein Pflegedienst überhaupt das Richtige ist: Auch dafür ist das Gespräch da.

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