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Wer zu Hause gepflegt wird, hat ab Pflegegrad 1 Anspruch auf den Entlastungsbetrag: bis zu 131 € im Monat für Haushaltshilfe, Betreuung und andere Angebote, die pflegende Angehörige entlasten. Der Betrag ist für alle Pflegegrade gleich und kommt zusätzlich zu Pflegegeld und Pflegesachleistungen.
Ausgezahlt wird das Geld nicht. Die Pflegekasse erstattet damit Leistungen von zugelassenen Pflegediensten und anerkannten Anbietern.
Wer Anspruch hat
Anspruch hat, wer einen Pflegegrad hat und zu Hause lebt, also nicht vollstationär im Pflegeheim versorgt wird. Einen eigenen Antrag brauchen Sie nicht, der Anspruch besteht mit dem Bescheid über den Pflegegrad. Wer noch keinen Pflegegrad hat, findet die Schritte im Beitrag Pflegegrad beantragen: 10 Tipps für die Begutachtung.
Wofür Sie den Betrag nutzen können
Der Entlastungsbetrag ist zweckgebunden. Erstattet werden:
- Hilfe im Haushalt und Betreuung durch einen zugelassenen Pflegedienst, etwa Reinigung, Wäsche, Einkaufen, Begleitung zu Terminen oder Gesellschaft
- nach Landesrecht anerkannte Angebote zur Unterstützung im Alltag, z. B. Betreuungsgruppen, Helferkreise oder Haushaltsdienste
- Eigenanteile in der Tages- oder Nachtpflege
- Eigenanteile in der Kurzzeitpflege
In Pflegegrad 1 darf ein Pflegedienst mit dem Entlastungsbetrag auch bei der Selbstversorgung helfen, etwa beim Waschen oder Anziehen. Ab Pflegegrad 2 geht das nicht; diese Hilfe läuft dann über die Pflegesachleistungen.
So läuft die Abrechnung
Es gibt zwei Wege:
- Abtretung: Sie unterschreiben beim Anbieter eine Abtretungserklärung, und er rechnet direkt mit der Pflegekasse ab. Sie strecken nichts vor.
- Erstattung: Sie bezahlen die Rechnung zunächst selbst, reichen sie bei der Pflegekasse ein und bekommen das Geld bis zur Höhe Ihres Guthabens zurück.
Abrechnen können nur zugelassene Pflegedienste und Angebote, die nach Landesrecht anerkannt sind. Die Anerkennung erteilt eine Landesbehörde, nicht die Pflegekasse. Fragen Sie deshalb vorher, ob ein Anbieter anerkannt ist.
Ansparen bis 30. Juni des Folgejahres
Sie müssen den Betrag nicht jeden Monat verbrauchen. Nicht genutzte Monatsbeträge sammeln sich im Kalenderjahr an und lassen sich später gebündelt einsetzen, etwa für mehr Betreuung, während die Familie im Urlaub ist. Was am Jahresende übrig ist, können Sie noch bis zum 30. Juni des Folgejahres nutzen, danach verfällt es.
Wie viel Guthaben Sie noch haben, sagt Ihnen die Pflegekasse.
Wenn 131 € nicht reichen
Ab Pflegegrad 2 gibt es zwei weitere Wege:
- Pflegesachleistungen: Ein Pflegedienst kann Hilfe im Haushalt auch über Ihr Budget für Pflegesachleistungen abrechnen.
- Umwandlungsanspruch: Nutzen Sie Ihre Pflegesachleistungen nicht voll, können Sie bis zu 40 % des Sachleistungsbetrags für anerkannte Angebote zur Unterstützung im Alltag verwenden (§ 45a Abs. 4 SGB XI). Beziehen Sie zugleich Pflegegeld, verringert es sich anteilig wie bei der Kombinationsleistung.
Ob sich das rechnet, hängt von Ihrer Situation ab. Ein Rechenbeispiel zur Kombination steht im Beitrag Was zahlt die Pflegekasse? Pflegegeld, Sachleistung und Kombination. Für längere Auszeiten gibt es außerdem den Jahresbetrag für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege.
Was sich 2027 ändern soll
Nach dem Kabinettsentwurf der Pflegereform soll es ab 2027 statt des Entlastungsbetrags ein Sozialraumbudget von 175 € im Monat geben, aber erst ab Pflegegrad 2. Es soll nur für niedrigschwellige Angebote zur Unterstützung im Alltag gelten, und nicht genutzte Beträge sollen sich nicht mehr ansparen lassen. In Pflegegrad 1 soll der Entlastungsbetrag entfallen. Den Umwandlungsanspruch soll es nach den Plänen des Bundesgesundheitsministeriums nicht mehr geben.
Beschlossen ist das noch nicht. Ob Reste aus 2026 nach der Reform noch genutzt werden können, steht nicht fest; sicherer ist es, den Betrag in diesem Jahr zu nutzen. Mehr dazu im Beitrag Pflegereform 2027: Was sich für die Pflege zu Hause ändern soll.
So helfen wir
Unsere Haushaltshilfe übernimmt Reinigung, Wäsche und Einkäufe, wir begleiten zu Terminen und leisten Gesellschaft. Den Entlastungsbetrag rechnen wir per Abtretung direkt mit Ihrer Pflegekasse ab, Sie strecken nichts vor. Mehr dazu auf der Seite Haushaltshilfe über den Entlastungsbetrag.
Häufige Fragen
Muss ich den Entlastungsbetrag beantragen?
Nein. Der Anspruch besteht mit dem Pflegegrad. Sie nutzen eine Leistung und rechnen per Abtretung oder gegen Rechnung ab.
Kann ich mir den Betrag auszahlen lassen?
Nein. Erstattet werden nur Kosten für anerkannte Leistungen.
Bekomme ich den Entlastungsbetrag zusätzlich zum Pflegegeld?
Ja. Er wird nicht auf das Pflegegeld angerechnet. Nur wenn Sie den Umwandlungsanspruch nutzen, verringert sich das Pflegegeld anteilig.
Darf eine Nachbarin helfen und über den Entlastungsbetrag abrechnen?
Nur mit Anerkennung. In Bayern können sich Nachbarn, Freunde oder Bekannte als ehrenamtlich tätige Einzelperson bei der regionalen Fachstelle für Demenz und Pflege registrieren lassen. Voraussetzung ist eine Basisschulung von acht Unterrichtseinheiten. Wer bis zum zweiten Grad verwandt oder verschwägert ist oder im selben Haushalt lebt, kann so nicht abrechnen.
Quellen
- § 45b SGB XI – Entlastungsbetrag, Bundesministerium der Justiz
- § 45a SGB XI – Angebote zur Unterstützung im Alltag, Umwandlungsanspruch, Bundesministerium der Justiz
- § 82 AVSG – Voraussetzungen der Anerkennung, Freistaat Bayern
- Hinweise zum Vollzug der AVSG: ehrenamtlich tätige Einzelpersonen (BayMBl. 2020 Nr. 741), Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege
- Pflegeneuordnungsgesetz: Erläuterung der Maßnahmen (PDF), Bundesministerium für Gesundheit
- Übersicht zum Pflegeneuordnungsgesetz, Kabinettsbeschluss vom 30. September 2026, Portal Sozialpolitik (Oktober 2026)
Über den Autor
David Geiger
David Geiger hat Glückszeit gegründet und führt den Pflegedienst als Geschäftsführer. Er ist gelernter Altenpfleger, Pflegedienstleiter und Fachtherapeut Wunde, hat über zwölf Jahre Erfahrung in der Pflege und ein Studium im Pflegemanagement.
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