Kompressionsstrümpfe richtig anziehen: Anleitung für Patienten und Pflegende

Themenüberblick: Behandlungspflege

Angehörige kniet vor einem Sessel und zieht einem Senior einen Kompressionsstrumpf an
In diesem Beitrag
  1. Warum der Sitz so wichtig ist
  2. Gut vorbereitet anziehen
  3. Schritt für Schritt anziehen
  4. Häufige Fehler
  5. Strümpfe richtig pflegen
  6. Anziehhilfen
  7. Wer bezahlt?
  8. So helfen wir
  9. Häufige Fragen
  10. Quellen

Kompressionsstrümpfe helfen nur, wenn sie richtig sitzen: faltenfrei, in der passenden Größe und den ganzen Tag über. Gerade das Anziehen am Morgen kostet viele Menschen Kraft, besonders mit wenig Kraft in den Händen, einem steifen Rücken oder nach einer Operation.

Diese Anleitung zeigt Schritt für Schritt, wie das Anziehen leichter gelingt, wie Sie die Strümpfe pflegen und wer bezahlt, wenn Sie Hilfe brauchen. Sie richtet sich an Menschen, die Kompressionsstrümpfe tragen, und an Angehörige, die dabei helfen.

Warum der Sitz so wichtig ist

Medizinische Kompressionsstrümpfe drücken von außen auf Beine und Venen, am Knöchel am stärksten und nach oben hin weniger. So unterstützen sie den Rückfluss des Blutes zum Herzen und können Schwellungen vorbeugen. Falten, ein umgeschlagener Rand oder eine falsche Größe verändern diesen Druck: Der Strumpf schnürt ein, macht Druckstellen oder verliert seine Wirkung.

Es gibt vier Kompressionsklassen, von leicht (Klasse 1) bis sehr kräftig (Klasse 4), und verschiedene Längen vom Kniestrumpf bis zur Strumpfhose. Welche Klasse und Länge Sie brauchen, legt Ihre Arztpraxis fest. Das Sanitätshaus misst Ihre Beine aus und passt die Strümpfe an.

Gut vorbereitet anziehen

  • Ziehen Sie die Strümpfe morgens gleich nach dem Aufstehen an. Dann sind die Beine am wenigsten geschwollen.
  • Die Haut sollte gewaschen und ganz trocken sein. Cremen Sie die Beine morgens nicht ein; für die Hautpflege ist der Abend nach dem Ausziehen die bessere Zeit.
  • Kurze Finger- und Fußnägel und abgelegter Schmuck schonen das Gestrick.
  • Setzen Sie sich zum Anziehen hin, zum Beispiel auf einen Stuhl mit Armlehnen. Das ist sicherer als im Stehen.
  • Gummihandschuhe mit Noppen geben Halt und helfen, das Gestrick zu verteilen.

Schritt für Schritt anziehen

  1. Greifen Sie in den Strumpf, fassen Sie die Ferse und stülpen Sie den Strumpf bis zur Ferse nach außen. Der Fußteil bleibt innen.
  2. Ziehen Sie den Fußteil über die Zehen und den Fuß, bis die Ferse genau an der richtigen Stelle sitzt.
  3. Ziehen Sie den Strumpf über die Ferse und schieben Sie ihn dann Stück für Stück mit flachen Händen am Bein nach oben. Ziehen Sie nicht am oberen Rand.
  4. Verteilen Sie das Gestrick gleichmäßig, bis keine Falten mehr da sind, vor allem am Knöchel und in der Kniekehle.
  5. Lassen Sie den oberen Rand, wie er ist. Umgeschlagen schnürt er ein.

Abends vor dem Schlafengehen ziehen Sie den Strumpf vom oberen Rand her nach unten und streifen ihn über die Ferse ab. Schauen Sie sich dabei die Haut an: Rötungen, Druckstellen oder offene Stellen sollte Ihre Arztpraxis sehen.

Häufige Fehler

  • Die Strümpfe erst später am Tag anziehen, wenn die Beine schon geschwollen sind.
  • Falten am Knöchel oder in der Kniekehle. Sie können einschnüren und Druckstellen verursachen.
  • Den Strumpf am oberen Rand hochziehen oder den Rand umschlagen.
  • Die Beine morgens eincremen.
  • Einen Strumpf weitertragen, der nicht mehr passt, etwa nach einer deutlichen Gewichtsänderung.

Schmerzt der Strumpf, oder werden die Zehen taub, kalt oder bläulich, ziehen Sie ihn aus und sprechen Sie mit Ihrer Arztpraxis.

Strümpfe richtig pflegen

Waschen Sie die Strümpfe täglich, am besten abends nach dem Ausziehen. Maßgeblich ist die Pflegeanleitung des Herstellers. In der Regel gilt:

  • Waschen bei 30 bis 40 °C im Schonwaschgang, mit mildem Waschmittel, ohne Weichspüler, am besten in einem Wäschenetz.
  • Zum Trocknen in ein Handtuch rollen, ausdrücken und aufhängen, nicht in der Sonne und nicht auf der Heizung.
  • In den Trockner nur im Schonprogramm und nur, wenn die Pflegeanleitung es erlaubt. Nicht bügeln.

Weil die Strümpfe täglich gewaschen werden, bezahlt die Krankenkasse zu Beginn zwei Paar zum Wechseln.

Anziehhilfen

Fehlt die Kraft in den Händen oder fällt das Bücken schwer, helfen Anziehhilfen:

  • Gummihandschuhe mit Noppen, um das Gestrick zu greifen und zu verteilen
  • eine Gleitsocke, über die der Strumpf leichter über den Fuß rutscht, besonders bei Strümpfen mit offener Fußspitze
  • ein Anziehgestell, über das Sie den Strumpf spannen und in das Sie dann hineinsteigen

Anziehhilfen kann Ihre Arztpraxis verordnen, dann kann die Krankenkasse sie bezahlen. Lassen Sie sich die Anziehhilfe im Sanitätshaus zeigen und üben Sie den Gebrauch dort einmal.

Wer bezahlt?

Die Strümpfe

Medizinische Kompressionsstrümpfe sind Hilfsmittel der Krankenkasse. Mit ärztlicher Verordnung bekommen Sie zu Beginn zwei Paar, danach in der Regel alle sechs Monate ein neues Paar. Erwachsene zahlen je Hilfsmittel 10 % zu, mindestens 5 € und höchstens 10 €. Weitere Hilfsmittel und Zuzahlungen erklärt unser Beitrag Hilfsmittel für die Pflege zu Hause.

Die Hilfe beim An- und Ausziehen

Schaffen Sie das Anziehen nicht allein und kann niemand in Ihrem Haushalt helfen, kann die Arztpraxis häusliche Krankenpflege verordnen. Das An- und Ausziehen gehört dann zur Behandlungspflege, schon ab Kompressionsklasse 1. Die Krankenkasse zahlt, ein Pflegegrad ist nicht nötig. Erwachsene zahlen 10 € je Verordnung und 10 % der Kosten, für höchstens 28 Tage im Kalenderjahr. Wie die Verordnung funktioniert, steht in Verordnung häuslicher Krankenpflege.

So helfen wir

Im Rahmen der Behandlungspflege ziehen wir Ihnen die Strümpfe morgens an und abends wieder aus, auch am Wochenende. Dabei achten wir auf Ihre Haut und den Sitz der Strümpfe und sprechen es an, wenn ein Strumpf nicht mehr gut passt. Die Verordnung fordern wir bei Ihrer Hausarztpraxis an.

Häufige Fragen

Muss ich die Strümpfe auch nachts tragen?

Meist nicht. Tragen Sie sie tagsüber bis zum Schlafengehen. Was in Ihrem Fall gilt, sagt Ihnen Ihre Arztpraxis.

Wie oft bekomme ich neue Strümpfe?

Zu Beginn bezahlt die Krankenkasse zwei Paar, danach in der Regel alle sechs Monate ein neues Paar. Sitzt ein Strumpf schon vorher nicht mehr richtig, sprechen Sie mit Ihrer Arztpraxis.

Kann ein Pflegedienst nur für die Strümpfe kommen?

Ja. Mit einer Verordnung über häusliche Krankenpflege kommt der Pflegedienst morgens zum Anziehen und abends zum Ausziehen. Ein Pflegegrad ist dafür nicht nötig.

Was tue ich, wenn der Strumpf schmerzt?

Prüfen Sie zuerst, ob er Falten wirft oder der Rand umgeschlagen ist. Lassen die Schmerzen nicht nach oder werden die Zehen taub oder bläulich, ziehen Sie den Strumpf aus und sprechen Sie mit Ihrer Arztpraxis.

Quellen

David Geiger

Über den Autor

David Geiger

David Geiger hat Glückszeit gegründet und führt den Pflegedienst als Geschäftsführer. Er ist gelernter Altenpfleger, Pflegedienstleiter und Fachtherapeut Wunde, hat über zwölf Jahre Erfahrung in der Pflege und ein Studium im Pflegemanagement.

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Was hilft uns beim ersten Gespräch? (falls zur Hand)

  • Besteht bereits ein Pflegegrad, und wenn ja, welcher?
  • Bei welcher Kranken- und Pflegekasse ist die Person versichert?
  • Liegt eine ärztliche Verordnung vor, etwa für Medikamente, Verbände oder Kompressionsstrümpfe?
  • Worum geht es konkret, und zu welcher Tageszeit wird Hilfe gebraucht?

Sie brauchen nichts vorzubereiten. Wenn Sie noch unsicher sind, ob ein Pflegedienst überhaupt das Richtige ist: Auch dafür ist das Gespräch da.

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