In diesem Beitrag
Wenn ein Mensch an Demenz erkrankt, verändern sich Gespräche. Fragen kommen immer wieder, Erklärungen kommen nicht mehr an, und aus Kleinigkeiten wird Streit. Viele Angehörige fragen sich, was sie falsch machen.
Ein Kurs für Angehörige erklärt, was bei einer Demenz geschieht, und zeigt, wie Gespräche wieder ruhiger werden. Die Pflegekasse bezahlt solche Kurse, und einen Pflegegrad brauchen Sie dafür nicht.
Was ein Kurs vermittelt
Ein Kurs für Angehörige ist praktisch angelegt. Im Mittelpunkt steht die Frage: Was hilft mir morgen im Gespräch? Typische Inhalte sind:
- Die Krankheit verstehen: Vergesslichkeit, Unruhe oder Vorwürfe sind keine Sturheit, sondern Folgen der Erkrankung. Wer das weiß, nimmt vieles weniger persönlich.
- Einfach sprechen: kurze Sätze, eine Information auf einmal, Zeit für die Antwort.
- Ohne Worte verständigen: Blickkontakt, ein ruhiger Ton, eine Berührung. Je weiter die Demenz fortschreitet, desto wichtiger wird das.
- Schwierige Situationen üben: wiederholte Fragen, Ablehnung bei der Körperpflege, Unruhe am Abend.
- Auf sich selbst achten: die eigenen Grenzen erkennen und Entlastung organisieren.
In Bayern bietet die AOK Bayern zusammen mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft Landesverband Bayern und regionalen Alzheimer-Gesellschaften die Kursreihe „Hilfe beim Helfen“ an: sieben bis acht Treffen von je 120 Minuten. Die Gruppenkurse sind kostenlos; Versicherte der AOK Bayern können die Schulung auch zu Hause bekommen.
Kostenlos über die Pflegekasse
Die Pflegekassen müssen Kurse für Angehörige und ehrenamtlich Pflegende unentgeltlich anbieten (§ 45 SGB XI). Einen Pflegegrad setzt das Gesetz nicht voraus. Die Kassen können die Kurse selbst halten oder andere damit beauftragen, etwa Beratungsstellen oder Alzheimer-Gesellschaften.
Auf Wunsch findet die Schulung auch zu Hause statt, bei dem Menschen, den Sie pflegen. Außerdem sollen die Pflegekassen digitale Kurse anbieten. Fragen Sie Ihre Pflegekasse gezielt nach einem Kurs zum Thema Demenz.
Einfache Regeln für Gespräche
- Korrigieren Sie nicht. Sagt Ihre Mutter, sie müsse zur Arbeit, fühlt sich das für sie richtig an. Widerspruch führt oft zu Streit oder Rückzug.
- Antworten Sie auf das Gefühl hinter dem Satz, etwa mit „Du warst immer sehr fleißig.“
- Diskutieren Sie nicht. Logische Argumente kommen oft nicht mehr an. Stimmen Sie zu oder lenken Sie behutsam auf ein anderes Thema.
- Stellen Sie einfache Fragen: statt „Was möchtest du trinken?“ lieber „Möchtest du Tee oder Kaffee?“
- Lassen Sie Zeit. Sprechen Sie langsam, machen Sie Pausen und warten Sie auf die Antwort. Zeitdruck verunsichert.
- Sprechen Sie mit dem Menschen, nicht über ihn, auch wenn keine Antwort kommt.
- Fragen Sie kein Wissen ab. „Weißt du noch, wer das ist?“ beschämt eher. Vertraute Rituale und Fotos geben mehr Halt.
Wenn es schwierig wird
Manche Situationen bringen auch geduldige Angehörige an ihre Grenzen:
- Wiederholte Fragen: Antworten Sie kurz und freundlich, als wäre es das erste Mal.
- Vorwürfe, etwa etwas sei gestohlen worden: Nehmen Sie sie nicht persönlich und helfen Sie beim Suchen, statt zu streiten.
- Ablehnung bei der Körperpflege: Hören Sie auf und versuchen Sie es später noch einmal. Kündigen Sie jeden Handgriff kurz an.
- Unruhe am Abend: Ein fester Ablauf und ein ruhiger Ausklang des Tages können helfen.
Verhalten ist bei Demenz oft eine Botschaft. Hinter Unruhe oder Abwehr können Angst, Schmerzen, Hunger oder Überforderung stehen. Wenn Sie selbst nicht mehr ruhig bleiben können, verlassen Sie kurz den Raum. Das ist kein Versagen, sondern schützt Sie beide.
Austausch hilft: In Gesprächsgruppen für Angehörige treffen Sie Menschen, denen es ähnlich geht.
Kurse und Beratung in Bamberg und Forchheim
- Die Fachstelle für pflegende Angehörige in Bamberg bietet Beratung, Hausbesuche, Pflegekurse und Gesprächsangebote an, kostenlos und vertraulich.
- Die Alzheimer Gesellschaft Bamberg e. V. berät Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen, am Telefon und persönlich.
- Im Landkreis Forchheim beraten die Fachstellen für pflegende Angehörige von Caritas und Diakonie, die Diakonie auch zu Demenz und stundenweiser Entlastung. Die Orientierungshilfe Demenzzentrum Forchheim bündelt Angebote in Stadt und Landkreis.
- Die Pflegestützpunkte in Bamberg und Forchheim beraten neutral und kostenlos und helfen bei der Suche nach einem Kurs.
Adressen und Telefonnummern stehen in Anlaufstellen für die Pflege in Bamberg und Forchheim.
Entlastung im Alltag
Für Betreuung und Hilfe im Alltag, etwa eine Betreuungsgruppe oder Hilfe im Haushalt, können Sie den Entlastungsbetrag von bis zu 131 € im Monat nutzen. Wie das geht, steht in Entlastungsbetrag 131 €: Anspruch, Verwendung und Ansparregel.
Brauchen Sie eine Pause, zahlt die Pflegekasse ab Pflegegrad 2 eine Vertretung über die Verhinderungspflege, 2026 aus dem Gemeinsamen Jahresbetrag von bis zu 3.539 €. Mehr dazu in Urlaub für pflegende Angehörige. Soll rund um die Uhr jemand im Haus sein, kann eine 24-Stunden-Pflege mit Betreuungskräften entlasten.
Was sich 2027 ändern soll: Nach dem Kabinettsentwurf der Pflegereform soll ab Pflegegrad 2 ein Sozialraumbudget von 175 € im Monat den Entlastungsbetrag ersetzen, in Pflegegrad 1 soll er entfallen. Der Jahresbetrag soll durch neue Budgets abgelöst werden. Beschlossen ist das noch nicht; mehr in Pflegereform 2027.
So helfen wir
Beim Beratungsbesuch sprechen unsere Pflegefachkräfte mit Ihnen auch über den Alltag mit Demenz und darüber, was Sie entlasten kann. In der Pflege zu Hause kommen dieselben Pflegekräfte aus einem kleinen, festen Team; Vertrautes gibt Menschen mit Demenz Halt. Über den Entlastungsbetrag können Sie bei uns Hilfe im Haushalt bekommen.
Häufige Fragen
Was kostet ein Pflegekurs zu Demenz?
Nichts, wenn die Pflegekasse den Kurs anbietet oder in Auftrag gegeben hat. Fragen Sie vor der Anmeldung bei Ihrer Kasse nach.
Brauche ich einen Pflegegrad?
Nein. Das Gesetz setzt für Pflegekurse keinen Pflegegrad voraus. Sie können also schon teilnehmen, wenn die Pflege gerade erst beginnt.
Gibt es Kurse auch zu Hause oder online?
Ja. Auf Wunsch findet die Schulung bei Ihnen zu Hause statt, und die Pflegekassen sollen auch digitale Kurse anbieten.
Wo finde ich Austausch mit anderen Angehörigen?
In Gesprächsgruppen für Angehörige. In Bamberg bietet die Fachstelle für pflegende Angehörige Gesprächsangebote an; die Pflegestützpunkte helfen, eine Gruppe in Ihrer Nähe zu finden.
Quellen
- § 45 SGB XI: Pflegekurse für Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen, Bundesministerium der Justiz
- § 45b SGB XI: Entlastungsbetrag und § 42a SGB XI: Gemeinsamer Jahresbetrag, Bundesministerium der Justiz
- Pflege von Menschen mit Demenz, gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit), Stand 28.05.2024 (weiterhin die aktuelle Fassung, geprüft am 22.10.2026)
- Demenz: Hilfe für Angehörige, Stiftung Gesundheitswissen
- Demenzpflegekurse „Hilfe beim Helfen“ für pflegende Angehörige, AOK Bayern
Über den Autor
David Geiger
David Geiger hat Glückszeit gegründet und führt den Pflegedienst als Geschäftsführer. Er ist gelernter Altenpfleger, Pflegedienstleiter und Fachtherapeut Wunde, hat über zwölf Jahre Erfahrung in der Pflege und ein Studium im Pflegemanagement.
Mehr über David Geiger und das TeamSie möchten darüber sprechen?
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